Ausstellungen:
"Tautropfen über Entropie"
Entropie ist ein Mass für Unordnung und Zufälligkeit in einem System. Sie durchzieht alle Bereiche unseres täglichen Lebens. Unter ihrem Einfluss neigt alles zur Auflösung:
Aufgeräumte Zimmer füllen sich bald mit Dingen und Staub. Junge Gesichter bekommen Falten, und selbst Beton beginnt zu zerfallen.
Das tiefste Ziel menschlichen Strebens könnte man so verstehen: Energie aufzubringen, um der Flut der Entropie zu widerstehen und Räume heilsamer Ordnung zu schaffen.
Tau besteht aus unzähligen feinen Wassertropfen. Er entsteht, wenn sich Wasserdampf aus der Luft auf kühlen Oberflächen niederschlägt. Dieser Übergang vom gasförmigen in den flüssigen Zustand ist ein eindrückliches Zeichen für die Abnahme von Entropie - für das Werden von Gestalt.
Bemerkenswert am Tau ist seine Durchsichtigkeit und seine lautlose Berührung. Doch Stille ist niemals leer. Kaum ein Wasser ist so rein wie der Tau des frühen Morgens. Er reisst die Erde nicht auf wie ein Blitz - und wirkt doch tief. Er lindert die Hitze, befeuchtet und besänftigt den Boden, damit er Frucht bringen kann. So trägt er zum Leben unzähliger Wesen bei. Auch wir sind gerufen, unsere Kräfte und Gaben zu verströmen, zum Wohl anderer. Denn kein Baum trägt Früchte, um sich selbst zu nähren. Wir wachsen, indem wir einander aufrichten.
Meine Werke entstehen aus geformtem Marmorpulver, eingebettet in Acryl und getragen von Leinen. In bewegten Formen erzählen sie Gleichnisse - Tautropfen über der Entropie. Diese surrealen Kompositionen sind tastende Annäherungen an Wirklichkeit, getragen von abstrakten und metaphysischen Deutungen. Entropie wächst von selbst. Ordnung aber entsteht dort, wo wir Energie hinzufügen. Vielleicht entdecken die Betrachtenden, dass diese Bilder ihnen Energie schenken können - als visuelle Tore zu lichten Räumen des Inneren.
Die Besucherin, der Besucher ist eingeladen, in diese stille, künstlerische Serenade einzutreten - die Seele zu heilen, den Geist zu beruhigen und das Licht im Innern zu wecken.
Seien Sie willkommen.
Tony Nwachukwu / März, 2026

